FETTE MÄNNER IM ROCK

von Nicky Silver
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FETTE MÄNNER IM ROCK

von Nicky Silver

 

 

Ein fast normaler Flugzeugabsturz

 

Die exzentische Phyllis Hogan ist mit ihrem Sohn Bishop auf dem Weg zu Ihrem ewig untreuen Gatten, dem Hollywood-Filmregisseur Howard Hogan, der gerade in Italien seinen neuesten Film dreht. Nur: In Italien werden Mutter und Sohn niemals ankommen! Das Flugzeug stürzt ab und beide landen auf einer einsamen Insel, außer ihnen hat niemand das Unglück überlebt. Was an ein Wunder grenzt, aber wir sind ja im Theater. Doch wovon soll man sich nun ernähren? Lippenstift? Das einzige, was Phyllis in Hülle und Fülle im Gepäck hat? 

 

In dieser Grenzsituation zeigt sich, das Sohnemann Bishop nicht nur einen ausgeprägten Katherine-Hepburn-Tic hat, sondern überhaupt äußerst schräg gepolt ist: Kurzerhand werden er und seine Mutter zu Menschenfressern und verspeisen nach und nach ihre toten Mitpassagiere: Pilot, Nonne und zum Nachtisch das Baby. Bishop entwickelt sich während der nächsten 5 Jahre auf der einsamen Insel vom stotternden 11-Jährigen zu einem pubertär-potenten jungen Mann und Kannibalen. Er reißt die Macht an sich, über die Insel samt Affenbewohnern und über seine Mutter – in jeder Hinsicht!

 

Und warum das Ganze? Weil Phyllis als junges Mädchen einen fetten Mann im Rock als Nachbarn hatte, der sie im Aufzug angefasst hat! Darum ist das alles so gekommen. Oder? 

 

 

Back home again: home sweet home!

 

Howard Hogan, Hollywood-Titan und kein Kostverächter, wenn es um die Förderung junger Schauspielerinnen-Karrieren geht, hat sich unterdessen Pam, ein etwas unterbelichtetes Porno-Starlet angelacht. Als jedoch die beiden Verschollenen Phyllis und Bishop wieder auf der Bildfläche erscheinen, wird Pam in den Schrank verwiesen und Vater Howard bekommt gewaltige familiäre Probleme. Phyllis, unfähig das Apartment zu verlassen und stetig am Rande des Nervenzusammenbruchs (und oft darüber), wird von ihrem Sohn Bishop nun täglich mit neuen Damenschuhen versorgt, mal nur ein linker, mal nur ein rechter, und nie in der passenden Größe... Das scheint erst einmal niemanden zu verwundern, bis die schreckliche Wahrheit ans Licht kommt: Bishop kann das Menschenfressen nicht mehr lassen! Und nichts kann ihn stoppen. 

 

 

Die Affen kommen immer wieder...

 

Nachdem Bishop seinen Vater, dessen Geliebte Pam und schlussendlich auch seine Mutter umgebracht hat, landet er in den Händen von Dr. Nestor, dem allgewaltigen Chefarzt der Psychiatrie. Dieser konfrontiert Bishop mit seinen Taten, die dieser vehement leugnet. Von der Geistererscheinung seiner Über-Mutter immer noch verfolgt und gequält, lernt Bishop die durchgeknallte, ihn liebende Mitpatientin Popo Martin kennen. Die logische Konsequenz einer solch monströsen Entwicklung liegt auf der blutigen Hand: Im Kuss bringt Bishop auch diese junge Frau um.

 

Am Ende gibt es keine Erlösung, nur Erkenntnis, und so schließt Bishop mit den Zeilen das Stück:

„Und dran schuld war meine Mutter. Und mein Vater. Und ich selber. Denn ich bin, was ich erschaffe.

Und mir ist klar, dass ich die ganze Zeit wachbleiben muss, denn wenn ich schlafe, wenn ich die Augen schließe, kommen die Affen wieder.“

 

Der „amerikanische“ Albtraum

 

Junge Menschen, die zu Monstern werden, zu Mördern und gewaltbereiten Attentätern. Die Amokläufe in den USA, Skandinavien und auch an deutschen Schulen verüben, die terroristische Gewaltakte in heiligen Kriegen gegen die Mitbürger im Heimatland und Unschuldige in fernen Kriegsgebieten durchführen und sich auch selbst dabei physisch und psychisch vernichten. Junge Männer und Frauen, oft aus der Mitte unserer Gesellschaft, aus „gutbürgerlichen“ Schichten. Zunehmende Verrohung in sozialen Medien, bis hin zur offenausgelebten aggressiven Homophobie und zu brutalem Fremdenhass, das alles sind gesellschaftliche Auswüchse, die leider (!) Teil unserer erst kurzen Menschwerdung sind.

„Ich glaube, es ist eine traurige Wahrheit, dass wir unserem Affenzustand noch sehr nahe sind und dass die Zivilisation nur eine sehr dünne Decke ist, die sehr schnell abblättert.“                                                            

Fritz Bauer, Jurist (initiierte 1959 als Staatsanwalt des Bundesgerichtshofes die „Auschwitz-Prozesse“)

 

 

Der Autor Nicky Silver

Nicky Silver wurde am 12.3.1960 in den USA geboren und wuchs in einer jüdischen Mittelklasse Familie auf. Er zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Vertretern der modernen amerikanischen Gegenwartsdramatik. Auf seine Vergangenheit angesprochen sagte er ironisch über sich selber: "Ich war von zeppelinartiger Gestalt, ich war richtig fett, nichts als fett, und ich war homosexuell – keine besonders angenehme Kombination für einen Gymnasiasten in Philadelphia."

Durch seine jüdische Herkunft und seine Homosexualität erlebte er sich immer wieder in Außenseiterpositionen. In gewissen Sinne gleicht seine Exzentrizität dem Witz der schwarz-humorigen Stücke von Woody Allen. Nur halt krasser. 1977 ging Silver nach New York, wo er sich in den Studiengang "Experimentelles Theater" einschrieb, zahlreiche Stücke verfasste und an kleinen Bühnen selbst inszenierte. Anfang der 90er Jahre erfolgte sein Durchbruch in den USA, ab 1996 war er zunehmend auch in Deutschland erfolgreich. Heute ist er längst nicht mehr vom Off-Broadway wegzudenken. Seine extrem angelegten, häufig überdrehten Stücke beziehen sich meist auf chaotische Familienverhältnisse und andere menschlichen Katastrophen.Die Deutsche Uraufführung von FETTE MÄNNER IM ROCK (Fat Men in Skirts) fand 1998 in der Baracke des Deutschen Theaters in Berlin unter der Regie von Thomas Ostermeier statt.


Mit den Mitteln der Groteske und einer All-Male-Besetzung (alle Frauenrollen werden von Männern gespielt) bieten wir hier eine rabenschwarze Komödie des modernen amerikanischen Unterhaltungstheaters mit Tiefgang an und verbinden somit „U“ und „E“ gleichermaßen miteinander. 

 

Es spielen: Alexander Jaschik, Kai Frederic Schrickel, Laurenz Wiegand und Andreas Erfurth.

 

Regie: Andreas Erfurth

Ausstattung: Ulrike Eisenreich

Deutsch von Frank Heibert

 

Flyer als PDF zum Download

 

 

Buchbar: ab Oktober 2019

 

Flyer als PDF zum Download

Kontakt, Buchung und Organisation:

NEUES GLOBE THEATER

Andreas Erfurth und Kai Frederic Schrickel

Gutenbergstraße 97 – 14467 Potsdam - +49 (0) 177 323 85 70

Mailto: Kontakt@NeuesGlobeTheater.de

 

Fotos: © Gerrit Wittenberg

Maske: Yvonne Joseph

 

Rechte: S. Fischer Verlag

Aufführungsdauer: 2 Std inkl. Pause

4 Schauspieler, 2 Techniker